Der weltberühmte Laaser Marmor
Weißes Gold aus der Jennwand
Keine Frage: Er ist das weiße Gold des Vinschgaus. Auf kaum etwas anderes sind die Vinschger so stolz wie auf ihren Marmor. Fachleute sagen, es sei der schönste weiße Marmor, den man finden kann. Und dass der Name des kleinen Ortes in aller Welt bekannt wurde, verdanken die Laaser ihrem Marmor. Das wissen sie. Kein Wunder, dass der blendend weiße Stein den Menschen im Tal ans Herz gewachsen ist.
Die Geschichte des Laaser Marmors ist lang und abwechslungsreich. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts begann man damit, systematisch Marmor abzubauen. Ein besonders glücklicher Augenblick war für die Marmorbetriebe des Vinschgaus die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Da gingen große Aufträge des Kaiserhofes in Wien ein: Skulpturen an der Ringstraße und die Pallas Athene vor dem österreichischen Nationalrat sind faszinierende Zeugen dieser Epoche.
Zu römischer Zeit standen marmorne Meilensteine an der Via Claudia Augusta durch den Vinschgau, und in den romanischen Kirchen des Tales finden sich zahlreiche Kunstwerke aus dem zeitlosen weißen Gestein.
Heute haben die Marksteine ihr Aussehen verändert. Die marmornen “Spöttersäulen” an der Westeinfahrt des Ortes sind dezenter Hinweis und Einladung für den Passanten: Das ist Laas. Die Heimat des weltweit schönsten weißen Marmors.
Doch Laas und der Vinschgau leben nicht nur in der Vergangenheit. Für sie ist die Gewinnung und Verarbeitung von Marmor lebendige Gegenwart. Das weiße Gold im Schoße der 3000 Meter hohen Jennwand regt die Phantasie der Menschen an, macht sie kreativ und dankbar zugleich. Und trotz - oder vielleicht auch gerade wegen - der räumlichen Nähe ist immer eine gewisse ehrfurchtsvolle Distanz geblieben zwischen Mensch und Natur.
Der Laaser Marmor lebt. Zum einen in den verschiedenen Fachbetrieben - vom großen Marmorwerk bis hin zur kleinen Steinmetz-Werkstatt -, wo je nach Ausrichtung und Neigung aus dem Stein künstlerische Skulpturen, Grabsteine oder maßgeschneiderte Fertigteile für den Bausektor werden.
Zum anderen wird der Beruf des Steinmetzen und Bildhauers, der aufgrund der veränderten Auftragslage in unserer modernen Zeit vorübergehend an Attraktivität zu verlieren drohte, wieder stark aufgewertet. Seit 1983 gibt es in Laas die Fachschule für Steinbearbeitung, die eine dreijährige Ausbildung für die beiden genannten Berufe anbietet. Seit 1985 finden außerdem internationale Bildhauersymposien und Sommerakademien statt.
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